15 Mai 2007

Das Salz in der Reise-Suppe

Bangkok war meine erste Erfahrung in Sachen asiatische Großstadt und ich erinnere mich noch gut an meine Reaktion. Mit offenem Mund und staunenden Augen lief ich durch die Straßen wie ein Junkie in Amsterdam und nicht selten rief mich erst das entsetzte Hupen eines um Zentimeter an mir vorbei schrammenden Mopeds in die reale Welt zurück. Menschen, Essen, Verkehr, Architektur, Hygiene - alles war anders als Zuhause und neu für mich. In Phnom Penh, der zweiten Millionenstadt in Südostasien, jagte mich meine Entdeckungslust erneut durch die Straßen, doch bereits hier wurden begeisterte Ausrufe, große Augen und spontane Fotos seltener. Später in Saigon und Hanoi versiegte die anfängliche Faszination schließlich nahezu gänzlich: Was ich in Bangkok noch eine halbe Stunde bestaunt hatte als wäre es ein fliegender Elefant, war mir nun höchstens noch einen flüchtigen Blick wert. Und so ging es nicht nur mit asiatischen Großstädten. Schmuckreich verzierte buddhistische Tempel, einsame Traumstrände in Australien, perfekte Postkarten-Panoramen in Neuseeland, Gletscher in Chile und argentinische Steaks - was mir beim ersten Mal noch wie ein einzigartiges Erlebnis vorkam, wurde bald zur Gewohnheit. Es ist ein hässliches Wort, doch als Dauertourist wird man mit der Zeit verwöhnt.

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Wieder ein Traumstrand: Hier an Australiens Westküste

Gegen diese Reisekrankheit habe ich ein nahezu todsicheres Gegenmittel entwickelt: Ich stelle mir einfach vor, was ich zur gleichen Zeit im heimischen München machen würde. Im Regelfall ist das arbeiten, frieren oder mich über die erbärmliche Bayern-Saison ärgern - wahrscheinlich alles drei gleichzeitig. Das hilft immer.
Manchmal jedoch ist dieser Trick vollkommen überflüssig und ich verschenke nicht einen Gedanken an Zuhause. Das ist der Fall, wenn ich Orte besuche, die schlichthin derart faszinierend sind, dass ich selbst nach Stunden oder Tagen noch ungläubig den Kopf schüttele in einer Mischung aus Begeisterung und Staunen. Sie sind - sieht man einmal von den vielen neuen Bekanntschaften ab - die Highlights meines Trips und drängen sich auf, wenn ich nach meinen besten Reiseerlebnissen gefragt werde. In den letzten beiden Wochen hatte ich das Glück, gleich zwei solche Orte zu besuchen. Fast kommt es mir vor, als wolle mich Südamerika überzeugen, doch den ein oder anderen Monat dranzuhängen. Zum einen handelte es sich um die im letzten Beitrag bereits gehuldigten Wasserfälle von Iguazu. Zum anderen war es die am vergangenen Samstag gestartete Dreitagestour rund um die bolivianische Salar de Uyuni, der größten Salzwüste der Welt.

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Salar de Uyuni: 12.500 Quadratkilometer Salz

Von Uyuni ging es zu sechst im Toyota Landcruiser durch den genauso menschenleeren wie landschaftlich atemberaubenden Südosten Boliviens. Drei Tage und zwei Nächte kosteten samt Unterkunft und vorzüglicher Verpflegung gerade einmal 60 Euro - allein wegen der Preise muss man Bolivien lieben. Ich könnte nun berichten von rauchenden Vulkanen, dampfenden Geysiren, Bergketten in den verschiedensten Farben, Salzlagunen, Thermalquellen, der Salvador-Dali-Wüste und natürlich dem Star der Show: Der 12.500 Quadratkilometer großen, blendend weißen Salar de Uyuni. Doch wie schon bei den Iguazu-Fällen ist es schwer, diese Landschaften à la Bob Ross in Worte zu fassen. Deshalb verweise ich lediglich auf die Fotos (siehe unten) und verzichte auf weitere Beschreibungen.

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Eine Salzlagune auf 4.500 Metern Höhe

Ansonsten bin ich mittlerweile im Norden Chile gelandet, auch weil der unerbittlich tickende Countdown (nur noch zwei Wochen) leider immer stärkere Kontrolle über meine Reisepläne ausübt. In der Form eines L´s werde ich mich von hier aus zuerst nach Süden und ab Valparaiso nach Osten in Richtung Argentinien und Buenos Aires aufmachen. Die Stopps auf dem Weg versprechen ein wenig Kultur (La Serena), eine angebliche einzigartige Stadt (Valparaiso), den besten Wein Südamerikas (Mendoza), das spektakuläre Valley of the Moon (Nationalpark Ischigualasto) und schließlich die aufregendste Metropole südlich von Rio de Janeiro: Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires. Meinen kleinen Trick gegen das Verwöhntsein werde ich wohl nicht mehr anwenden müssen. Denn außer den Gedanken an Zuhause habe ich eine zweite Methode entdeckt: Einfach einen Blick in den Kalender mit dem rot angestrichenen Rückflug werfen und schon genieße ich jede Urlaubsminute wie den ersten Tag meiner Reise.

Hier findet ihr Fotos von meiner Tour durch Bolivien

1 Comments:

At 4:59 PM, Anonymous Stanilson said...

Ja höre ich da etwa Wehmut das der Tag der Rückkehr immer näher rückt?!?! Das gibt es doch nicht. An manchen Tagen ist hier fast südamerikanisches Wetter und die Mädels, ja die Mädels, passen sich kleidungstechnisch einer rassigen argentinischen jungen Frau auch so langsam an. Mmmhhh, ich weiß auch diese Zeilen bringen dich nicht über den Schmerz das der Tag der Heimreise immer näher und näher rückt. Vielleicht solltest du genüßlich bei einem Glas Finca Flichman Reserva Malbec, 2005 aus dem Mendoza über die Vorteile Münchens und vor allem über die super Zeit deiner Reise nachdenken. Tolle Cabernet Savignons, Merlot´s, Syrah´s und selbst Chardonnay Trauben beherschen dort die Winzerei.... toll toll ich beneide dich jetzt schon in so einen vorzüglichen Anbaugebiet den ein oder anderen Schluck zu nehmen.

Jedoch muss ich als führender Weinexperte (zu mindest in unserem Freundeskreis)sagen:"Ich kann jederzeit so ein edles Tröpfchen hier auf meiner Terrasse zur Verfügung stellen". Na, Lust bekommen. Kleiner Spaß Patrik, freu mich auf deine Rückkehr. Es gibt sicherlich viel auszutauschen und viel viel vorprogrammierten Spass wenn du wieder da bist.

Genieße den Rest deiner Reise und vielleicht nich so viel nachdenken, sondern alles einfach im südamerikanischen Temperament fließen lassen. Denn du weißt, si si manana

Hasta pronto

compadre

 

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